Wie Ideen laufen lernen


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Zürich ist ein europäisches Zentrum für Technologietransfer. Das bedeutet: Aus Ideen werden marktfähige Produkte. Dafür sorgt ein starkes Netzwerk aus Hochschulen, Privatwirtschaft und Staat. Dank und mit Hilfe der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, einer der führenden Technologie-Lehrstätten der Welt, sind in den letzten zehn Jahren mindestens 170 Firmen im Hochtechnologie-Bereich gegründet worden.

Manche Erfolgsgeschichten sind durch die internationale Presse gegangen. Roche hat für 235 Millionen Franken das Kleinunternehmen Glycart gekauft, das ein Verfahren entwickelt hat, das die Wirkung therapeutischer Antikörper um ein Vielfaches zu erhöhen vermag – ein Durchbruch in der Forschung nach neuen Krebsmedikamenten. Novartis hat von der Cytos Biotechnology AG, einem anderen ETH-Spin-off, im Rahmen eines weltweiten Lizenzvertrages die ausschliesslichen globalen Rechte am Nikotin-Impfstoff CYT002-NicQb erworben. Cytos ist auch in der Entwicklung von Allergie-Impfstoffen verheissungsvoll unterwegs.

Längst spannen etablierte Konzerne mit der ETH und ihrem Gründer-Förderungsprogramm zusammen. Im Oktober 2006 gründen Alstom (Schweiz) AG und die ETH zusammen ein Spin-Off-Unternehmen für den Bau von Inspektionsrobotern: intelligente Werkzeuge, die schauen, greifen, messen, reparieren und inspizieren. Sie werden vor allem bei Turbinen, Generatoren und anderen Kraftwerkskomponenten eingesetzt.

Schwerpunkt Nanotechnologie
In zwanzig Fachgebieten – von Agrartechnologie bis Umweltwissenschaften – sind Zürcher ETH-Spin-off-Firmen aktiv. Das Schwergewicht liegt auf Life Sciences und Nanotechnologie. In diesem Zukunftsgebiet ist zum Beispiel die HeiQ Materials AG tätig. Sie stellt Additive in Nanogrösse aus Silber, Kupfer und Zinkoxid her. Eingearbeitet in Kunstfasern für Kleider und in Plastik bekämpfen diese Zusätze, «Frogskins» genannt, Bakterien und Pilze und schützen gegen UV-Strahlen. Erste Anwendungsgebiete sind identifiziert: Arztkittel, Operationsmasken und andere Spitalkleider, sowie Schutzschichten für alle Anwendungen, die auf Bakterienbefall anfällig sind: Lebensmittelindustrie, Hygiene, Kosmetika, Wasseraufbereitung, Luftfilter. Die von HeiQ in kleinsten Mengen verwendeten Nano-Partikel sind gesundheitlich unbedenklich, leicht zu verarbeiten und deutlich billiger als herkömmliche Lösungen. Auf die Idee gekommen waren die Gründer während einer Wanderung, als sie sich am strengen Geruch ihrer verschwitzten T-Shirts störten.

KMUs profitieren von Fördermitteln
Auf vielen Ebenen fördert die Schweiz den Technologietransfer, vor allem in Zukunftsbereichen wie der Nanotechnologie. Die staatliche Innovationsagentur KTI hat Mikro- und Nanotechnologie neben Life Sciences, Enabling Sciences und Ingenieurwissenschaften zum Schwerpunktgebiet erhoben. Inzwischen fliessen drei Viertel der Fördermittel in kleine und mittlere Unternehmen: Noch am Ende der 90er Jahre war das Verhältnis umgekehrt, zugunsten der Grossunternehmen. Grundsätzlich erwartet die KTI, dass Forschungsvorhaben von den Partnern aus der Wirtschaft im Verhältnis 50:50 mitfinanziert werden – ein bewährter «Reality check» für marktorientierte Innovationen.
Mit KTI will die offizielle Schweiz eine Schwäche ihrer Wissenschaftspolitik ausbügeln: die mangelhafte Umsetzung hervorragender Forschungsresultate in marktfähige Produkte. Die 1970 an der ETH Zürich erarbeitete Programmiersprache Pascal wurde von Apple und Commodore vermarktet worden. Vom 1977 von der ETH Zürich entwickelten überlegenen Personal Computer «Lilith» blieb schliesslich die Firma Logitech (Computer-Mäuse) übrig. Die Patente für die Quarzuhr wurden nach den USA verkauft und wanderten später nach Japan. Flüssigkristalle und LCD-Displays wurden bei Hoffmann-La Roche und BBC entwickelt, aber nicht weiter verfolgt.

Technopark an der entscheidenden Schnittstelle
An der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis siedeln inzwischen Institutionen wie der Technopark Zürich, der seit seiner Gründung 1993 über 2000 nachhaltige Arbeitsplätze neu geschaffen hat. Heute sind dort 230 innovative Wachstumsfirmen angesiedelt. Darunter gibt es stille, aber unglaubliche Erfolgsgeschichten: Flisom zum Beispiel mit ihren biegsamen, extrem leichten Solarzellen, welche Licht in Elektrizität umwandeln – mit Weltrekord-Wirkungsgraden. Diese Solarzellentechnologie ist dazu prädestiniert, elektrische Energie zu äusserst geringen Kosten zu produzieren und im globalen Massenmarkt eine Schlüsselrolle zu spielen. Oder AutoForm: Innert zehn Jahren ist sie weltweit zum führenden Anbieter für die Blechumformindustrie geworden. Der Kleinkonzern hat Niederlassungen in 14 Ländern. Mit der Einführung einer schnellen Prozesssimulation und der spezialisierten Werkzeugmodellierung wurden die Arbeitsabläufe im Werkzeugbau grundlegend revolutioniert. Die neuen Softwarelösungen reduzieren nicht nur den Zeit- und Kostenaufwand drastisch, sondern optimieren auch die Materialnutzung und erhöhen die Qualität. Alle Autokonzerne der Welt zählen zu den Kunden.
Die findigsten Trendspürnasen der Technologieentwicklung sind inzwischen ebenfalls auf den Geschmack gekommen. Im Frühjahr 2006 hat Red Herring, das weltweit führende Medienunternehmen für Technologie-Information, Marktforschung und Veranstalter viel beachteter Branchen-Foren, seinen europäischen Hauptsitz nach Zürich verlegt Die flexible Arbeitsgesetzgebung für ausländische Erwerbstätige im Nicht-EU-Land Schweiz ist ein wichtiger Anreiz für globale Unternehmen mit multinationaler Belegschaft. Ebenso spielen geringe Sozial- und Lohnnebenkosten sowie das freundliche Steuerklima in Stadt und Kanton Zürich eine wichtige Rolle bei der Standortwahl. Zudem begünstigte die hervorragende IT-Infrastruktur sowie die enge Vernetzung zwischen der Hightech-Branche und den Universitäten in Zürich und der Region die Entscheidung von Red Herring für Zürich.





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