Die grossen Fragen der Welt – aus Zürich kommen AntwortenText als PDF (47 kb) Wie schaffen wir es, dass immer mehr Menschen sauberes Wasser haben? Wer bekämpft die tödlichen Seuchen bei Mensch und Tier? Wie steuern und leiten wir die Energie. Können wir Krebs und BSE besiegen? Grosse Fragen – und aus Zürich kommen spannende Antworten. Denn Zürich ist ein globales Zentrum der Forschung und ihrer industriellen Anwendung, namentlich in Biotechnologie, Halbleitertechnik und MedTech. Weltweit wächst der Hunger nach Energie. Energieverteilung wird zu einer Schlüsseltechnologie der Zukunft. Im nahen Lenzburg, baut ABB Semiconductors Halbleiter im Megawattbereich für anspruchsvolle Energieverteilung bei Bahnen, Energiezentralen und Industriebetrieben. Für einen hauchdünnen Chip von der Grösse eines Fingernagels werden zweihundert Arbeitsschritte und 25 Kontrollen benötigt. Dazu ist eine Reinraumtechnologie nötig, die die Sterilität jedes Operationssaals übertrifft. Leistungselektronik der Spitzenklasse hilft die gefürchteten Blackouts vermeiden und den Strom dorthin zu bringen, wo er benötigt wird. Vernetzung bringt Vorsprung
Gery Colombo betont auch einen anderen grossen Standortvorteil der Industrieregion Zürich: die enge Vernetzung mit vielen hoch qualifizierten und qualitätsbewussten Lieferanten, den Hochschulen und den Spitälern. Letztere sind wichtige Kunden und Prüffelder für Colombos Hocoma AG. Das Pionierunternehmen, ein Spin-off aus dem Umfeld der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH), entwickelt und baut Therapieroboter für Rückenmark-Verletzte und Gelähmte. Damit wird das Training für diese Patienten wesentlich erleichtert und intensiviert. Da die Menschen immer älter werden, steigt auch die Zahl der Hirnschlag-Patienten, die das Gehen und andere elementare Funktionen neu erlernen müssen. In enger Verbindung mit Ärzten und Therapeuten entwickelt Hocoma in Uetikon bei Zürich ganze Rehabilitationskonzepte. In dieser Nische an der Schnittstelle von Medizin, Mechanik und Elektronik ist das Zürcher Kleinunternehmen inzwischen zum Weltmarktführer aufgerückt.
«Silicon Valley» der Medizintechnologie
Die enge Verbindung zwischen Forschung und Industrie spiegelt sich auch in den aus dem Hochschul-Milieu hervorgegangenen so genannten Spin-off-Firmen, den Biotech-Spezialisten. Sie arbeiten auf eigenes Risiko an Entwicklungen, die bahnbrechend sein werden, wenn sie denn gelingen. In Schlieren am westlichen Stadtrand von Zürich haben sich einige der «heissesten» Biotech-Adressen zusammengefunden – alle nebeneinander, auf dem Gelände einer still gelegten Waggonfabrik. Hier ist die Entwicklung der Industrie des 21. Jahrhunderts materialisiert und spürbar geworden: «Heavy metal» ist verschwunden, wissensbasierte High-Tech-Anwendungen breiten sich aus und haben Aufsehen erregende Erfolge. Die börsenkotierte Cytos Biotechnology AG hat sich auf die Entdeckung und Entwicklung von «Immunodrugs» spezialisiert. In der Pipeline stecken u.a. ein Mittel gegen Bluthochdruck, eine Impfung gegen Schuppenflechte und gegen Nikotinsucht – allesamt «Blockbuster» mit Milliarden-Potenzial, wenn sie die in sie gesteckten Erwartungen erfüllen. Bis 2011 wird dies entschieden sein. Die komplizierten Tests sind bisher erfolgreich verlaufen, die Anleger sind voller Hoffnung, denn der Kurs der die Cytos-Aktie liegt heute um 200 % höher als 2002, als Cytos an die Börse ging. In den letzten zehn Jahren ist die aus der Universität Zürich hervorgegangene Prionics AG zur weltweit führenden Anbieterin von Diagnostiklösungen für Nutztiere aufgestiegen. Alicon AG , ein Spin-off der ETH Zürich (12), entwickelte erfolgreich einen neuen Lebend-Schnelltest zur Erkennung der Rinderseuche BSE. Glycart fand ein Verfahren, Antikörper zu frisieren und deren Potenz um das Tausendfache und mehr zu verstärken. Auf diesen Antikörpern sind hoch wirksame Krebsmedikamente aufgebaut. Im Sommer 2005 erfüllte sich für diese ehrgeizige Biotech-Firma der Traum aller Jungunternehmer: Der Roche-Konzern kaufte sie für 235 Millionen Schweizer Franken und sicherte sich damit die Nutzung der bahnbrechenden Technologie. |