Die grossen Fragen der Welt – aus Zürich kommen Antworten


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Wie schaffen wir es, dass immer mehr Menschen sauberes Wasser haben? Wer bekämpft die tödlichen Seuchen bei Mensch und Tier? Wie steuern und leiten wir die Energie. Können wir Krebs und BSE besiegen? Grosse Fragen – und aus Zürich kommen spannende Antworten. Denn Zürich ist ein globales Zentrum der Forschung und ihrer industriellen Anwendung, namentlich in Biotechnologie, Halbleitertechnik und MedTech.

Millionen von Menschen in der Dritten Welt erkranken wegen verseuchtem Wasser. In Senegal zum Beispiel ist die Versorgung für mehr als die Hälfte der Menschen prekär. Das französische Hilfswerk ACV hat deshalb ein Pilot-Projekt gestartet: In den Schulen werden die Kinder im Umgang mit Wasser und im korrekten Gebrauch moderner Wasserfilter unterrichtet. Sie tragen ihr Wissen nach Hause und geben es an ihre Familien weiter. Rückgrat des Projekts sind die Wasserfilter der Zürcher Firma Katadyn. Sie ist mit einem Marktanteil von über 50 Prozent weltweit die Nummer 1 für individuelle Wasserreinigungssysteme. Auch Armeen und der Outdoor-Bereich (Expeditionen, Trekkinggruppen usw.) verlassen sich auf die mobile und einfache Entkeimungs- und Entsalzungs-Technologie aus Wallisellen bei Zürich.


Weltweit wächst der Hunger nach Energie. Energieverteilung wird zu einer Schlüsseltechnologie der Zukunft. Im nahen Lenzburg, baut ABB Semiconductors Halbleiter im Megawattbereich für anspruchsvolle Energieverteilung bei Bahnen, Energiezentralen und Industriebetrieben. Für einen hauchdünnen Chip von der Grösse eines Fingernagels werden zweihundert Arbeitsschritte und 25 Kontrollen benötigt. Dazu ist eine Reinraumtechnologie nötig, die die Sterilität jedes Operationssaals übertrifft. Leistungselektronik der Spitzenklasse hilft die gefürchteten Blackouts vermeiden und den Strom dorthin zu bringen, wo er benötigt wird.


Vernetzung bringt Vorsprung


«Auslagerung der Produktion ist für uns kein Thema,» betont Kurt Hörhager, CEO von ABB Semiconductors und Chef von 320 Mitarbeitenden aus 30 Nationen. «Unsere hervorragenden Teams produzieren immer weniger Ausschuss, so sind wir jederzeit auch preislich konkurrenzfähig.»


Gery Colombo betont auch einen anderen grossen Standortvorteil der Industrieregion Zürich: die enge Vernetzung mit vielen hoch qualifizierten und qualitätsbewussten Lieferanten, den Hochschulen und den Spitälern. Letztere sind wichtige Kunden und Prüffelder für Colombos Hocoma AG. Das Pionierunternehmen, ein Spin-off aus dem Umfeld der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH), entwickelt und baut Therapieroboter für Rückenmark-Verletzte und Gelähmte. Damit wird das Training für diese Patienten wesentlich erleichtert und intensiviert. Da die Menschen immer älter werden, steigt auch die Zahl der Hirnschlag-Patienten, die das Gehen und andere elementare Funktionen neu erlernen müssen. In enger Verbindung mit Ärzten und Therapeuten entwickelt Hocoma in Uetikon bei Zürich ganze Rehabilitationskonzepte. In dieser Nische an der Schnittstelle von Medizin, Mechanik und Elektronik ist das Zürcher Kleinunternehmen inzwischen zum Weltmarktführer aufgerückt.


«Silicon Valley» der Medizintechnologie


«Wir sind auf höchste Qualität angewiesen», sagt Gery Colombo, «deshalb bleibt für uns die Zusammenarbeit mit unseren Schweizer Partnern zentral, ebenso wie mit Hochschulen und Spitälern. Zusammenarbeit und Vernetzung ist alles.» Inzwischen ist im erweiterten Umkreis von Zürich ein eigentliches «Silicon Valley» der Medizintechnologie entstanden: Ypsomed (Solothurn/Burgdorf/Grenchen) stellt Injektions-Pens und Pen-Nadeln her. Zimmer (Prothetik, Winterthur), Plus Orthopedics (Gelenkimplantate, Rotkreuz) Hamilton (Laborautomation, Sensorik Bonaduz) und viele andere Spezialisten bearbeiten wachstumsstarke Bereiche der Medizinaltechnik. Der untadelige Ruf von «Swiss Made», die enge Verbindung mit Universitäten und Fachhochschulen, die zentrale Lage und der hohe Freizeitwert ziehen laufend neue Firmen und Spezialitäten aus aller Welt an.


BSE-Schnelltest und eine Impfung gegen das Rauchen/Nikotintest


Die enge Verbindung zwischen Forschung und Industrie spiegelt sich auch in den aus dem Hochschul-Milieu hervorgegangenen so genannten Spin-off-Firmen, den Biotech-Spezialisten. Sie arbeiten auf eigenes Risiko an Entwicklungen, die bahnbrechend sein werden, wenn sie denn gelingen. In Schlieren am westlichen Stadtrand von Zürich haben sich einige der «heissesten» Biotech-Adressen zusammengefunden – alle nebeneinander, auf dem Gelände einer still gelegten Waggonfabrik. Hier ist die Entwicklung der Industrie des 21. Jahrhunderts materialisiert und spürbar geworden: «Heavy metal» ist verschwunden, wissensbasierte High-Tech-Anwendungen breiten sich aus und haben Aufsehen erregende Erfolge.


Die börsenkotierte Cytos Biotechnology AG hat sich auf die Entdeckung und Entwicklung von «Immunodrugs» spezialisiert. In der Pipeline stecken u.a. ein Mittel gegen Bluthochdruck, eine Impfung gegen Schuppenflechte und gegen Nikotinsucht – allesamt «Blockbuster» mit Milliarden-Potenzial, wenn sie die in sie gesteckten Erwartungen erfüllen. Bis 2011 wird dies entschieden sein. Die komplizierten Tests sind bisher erfolgreich verlaufen, die Anleger sind voller Hoffnung, denn der Kurs der die Cytos-Aktie liegt heute um 200 % höher als 2002, als Cytos an die Börse ging.


In den letzten zehn Jahren ist die aus der Universität Zürich hervorgegangene Prionics AG zur weltweit führenden Anbieterin von Diagnostiklösungen für Nutztiere aufgestiegen. Alicon AG , ein Spin-off der ETH Zürich (12), entwickelte erfolgreich einen neuen Lebend-Schnelltest zur Erkennung der Rinderseuche BSE. Glycart fand ein Verfahren, Antikörper zu frisieren und deren Potenz um das Tausendfache und mehr zu verstärken. Auf diesen Antikörpern sind hoch wirksame Krebsmedikamente aufgebaut. Im Sommer 2005 erfüllte sich für diese ehrgeizige Biotech-Firma der Traum aller Jungunternehmer: Der Roche-Konzern kaufte sie für 235 Millionen Schweizer Franken und sicherte sich damit die Nutzung der bahnbrechenden Technologie.



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