Rieter: Innovation trifft Erfahrung
Rieter ist mit Jahrgang 1795 eines der ältesten Industrieunternehmen in der Greater Zurich Area – aber innovativ wie eine Neugründung. In Millionen von Autos, die dieses Jahr auf der ganzen Welt verkauft werden, stecken Entwicklungen des Winterthurer Technologiekonzerns. Und auch die neueste Mode kommt nicht ohne Rieter aus.
Rieter – das ist in jeder Hinsicht ein gut schweizerisches Unternehmen. Seit 212 Jahren produziert der Konzern in Winterthur Spitzentechnologie, seit Generationen steht der Name Rieter in der Greater Zurich Area und weit darüber hinaus für Qualität und Internationalität. So schweizerisch wie der Hang zu hochwertiger Produktion ist auch die Bereitschaft zum Wandel, die Rieter in seiner langen Geschichte immer wieder bewiesen hat. Bis 1984 war der Technologiekonzern ausschliesslich im Bereich Textilmaschinen tätig. Dann setzte Rieter auf ein zweites Pferd – die Automobilindustrie.
Weniger Lärm, keine Hitze
Dass dieses jüngere Pferd von Rieter besonders tüchtig ist, wurde ihm schon von einem ruhmreichen Hengst bescheinigt: 2003 erhielt Rieter von Ferrari den «Technology Award» für die hervorragende Kooperation mit den italienischen Edel-Sportwagenherstellern. Ferrari arbeitet nur mit den Besten zusammen; selbst innerhalb dieser Elite haben sich die weltweit rund 9'500 Mitarbeitenden von Rieter Automotive Systems einen Spitzenplatz erkämpft. Und das in einer bedeutenden Nische: Rieter ist führender Hersteller von Komponenten und Systemen für die Lärmreduktion und den Hitzeschutz bei Personenwagen und Nutzfahrzeugen. Das Winterthurer Unternehmen sorgt dafür, dass man im Wageninnern nur einen schnurrenden – oder im Falle des Ferraris einen tief brummenden – und keinen krachenden Motor vernimmt. Damit die Akustik angenehm bleibt, werden unzählige Teile, Materialien und Module vom Teppich bis zum Kofferraum in einem multifunktionalen System optimal aufeinander abgestimmt.
Rieter-Technologie in Millionen Fahrzeugen
Rieter setzt dabei – auch das ist schweizerisch – auf Nachhaltigkeit: Verwendet werden für den Lärmschutz vor allem wieder verwendbare Materialien. Für die 5er- und 6er-Generation von BMW entwickelte Rieter Automotive Systems zum Beispiel ein Absorbier- und Isolier-System aus bis zu 80 Prozent rezyklierbaren und rezyklierten Materialien. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen darf das System des Lärmschutzes nicht zu viel wiegen, denn mehr Gewicht erhöht den Spritverbrauch. Von Toyota erhielt Rieter darum den Auftrag, das Akustiksystem für den aktuellen Avensis um 30 Prozent leichter zu machen. Dank der Innovation «Rieter Ultra Light» wurde diese Zielsetzung deutlich übertroffen: Das Akustiksystem wiegt 50 Prozent weniger als das bisherige. «Rieter Ultra Light» findet man heute in so verschiedenen Fahrzeugen wie dem Mini Cooper und dem Jeep Commander.
Lösungen für alle Fahrzeugtypen
Für den individuellen Fahrkomfort ähnlich bedeutend wie die Akustik ist das Hitzemanagement in einem Fahrzeug. Hitzeschilder schützen empfindliche Fahrzeugteile vor heissen Komponenten wie Katalysator, Motor oder Auspuff. Dank Simulationen und exakter Computermodelle finden Rieter-Experten für jeden Fahrzeugtyp auch in diesem Bereich optimale Lösungen. Dass dies keine leere Behauptung ist, beweist die Tatsache, dass heute fast alle Autohersteller der Welt mit Rieter bezüglich Akustik- und Hitzeschutzlösungen zusammenarbeiten – von GM über Ford, Renault und Peugeot bis zu Fiat.
Lebhafter Textilbereich
Auch wenn Rieter Automative Systems heute rund 60 Prozent zum Gesamtumsatz von etwa 3,2 Milliarden Franken beisteuert, ist der Konzern in jenem Bereich stark geblieben, der ihn berühmt machte: Textilmaschinen. Mit rund 5'500 Mitarbeitenden entwickelt und produziert die Division «Rieter Textile Systems» Systeme, mit denen Fasern und Kunststoffe zu Garnen, Vliesstoffen oder Granulaten verarbeitet werden. Die Textilproduktion ist eine High-Tech-Branche mit enormer Innovationskraft; laufend werden neue Garne entwickelt, die neue Spinnereisysteme benötigen. Rieter entwickelt diese auch in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Universitäten auf der ganzen Welt, etwa mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Forschung und Entwicklung beziehen dabei die gesamte Wertschöpfungskette ein, von der Rohstoffgewinnung bis zur Endfertigung.
Den Kunden gefolgt
Beide Divisionen – Automotive Systems und Textile Systems – gehören in ihren Märkten zu den weltweit führenden Anbietern. Wie konnte der Konzern diese Position erobern? «Unser wichtigster Erfolgsfaktor ist die Nähe zum Kunden durch unsere globale Präsenz», glaubt Hartmut Reuter, Rieter-CEO seit 2002. Schon früh habe man bei Rieter erkannt, dass sich die Märkte in der Textilindustrie immer mehr Richtung Asien verlagerten. Tatsächlich erzielte Rieter Textile Systems im vergangenen Jahr zwei Drittel seines Umsatzes in Asien, fast ein Viertel allein in Indien. «Die Kunden sind weggegangen – und wir sind ihnen schrittweise gefolgt», meint Reuter. Heute unterhält der Konzern Forschungslabors, Produktionswerke und Niederlassungen in 20 Ländern auf allen Kontinenten.
Kernkompetenzen in der Schweiz
Trotz verstärkter internationaler Ausrichtung bleibt der Standort Schweiz für das Unternehmen aber bedeutend. Aus guten Gründen, wie Hartmut Reuter meint: «Die Greater Zurich Area bietet eine ausgezeichnete Anbindung an den Flughafen Zürich, flexible und gut ausgebildete Mitarbeiter, hervorragende Hochschulen, niedrige Kapitalkosten und eine moderate Steuerbelastung.» Rieter habe seine Kernkompetenzen und sein Know-how in der Schweiz aufgebaut und stetig weiterentwickelt – «und auch künftig wollen wir unser Wissen hier behalten». Angesichts der grossen Kopierfreude der Asiaten bleibe es für Rieter überlebenswichtig, wichtige Teile in europäischen Ländern herzustellen. Die Schweiz sei ja auch ein guter Produktionsstandort, findet Reuter – und erwähnt in diesem Zusammenhang das duale Bildungssystem des Landes: «Mitarbeiter mit einer Industriemechaniker-Lehre bieten uns grosse Flexibilität – wir setzen sie auch an unserem chinesischen Produktionsstandort für die Ausbildung lokaler Fachkräfte ein.» Global denken, lokal handeln – Rieter hat diesen Grundsatz verinnerlicht.
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