„Finance“ gehört zu den Kernkompetenzen ZürichsIn kaum einem anderen Land ist die Bankentradition so ausgeprägt wie in der Schweiz. Die Schweizer Finanzinstitute sind in der international ausgerichteten Vermögensverwaltung weltweit führend. Knapp ein Drittel der grenzüberschreitend angelegten Privatvermögen wird von Schweizer Banken verwaltet. Der wichtigste Finanzplatz im Land ist Zürich. Wer hier die Bahnhofstrasse entlang spaziert, stellt rasch fest, dass Geld verwalten in dieser Stadt mindestens so angesagt ist, wie Geld ausgeben: Hier, an dieser ersten Adresse Zürichs, reiht sich Edelmarke an Edelmarke, aber auch eine Bank an die andere. Mit der UBS und der Credit Suisse haben gleich zwei weltweit führende Grossbanken hier ihren Hauptsitz. Auch die Bank Julius Bär, die Bank Vontobel oder die EFG Bank haben ihre Basis an der Zürcher Flaniermeile und in den Quer- und Parallestrassen wimmelt es nur so von Finanzdienstleistern. Fern der Bahnhofstrasse, aber dafür mit der schönsten Aussicht operieren die Mitarbeiter der Bellevue Group: Mit freiem Blick auf den Zürichsee arbeiten sie in einem ehemaligen Fabrikgebäude im nahe gelegenen Küsnacht – mit direktem Seeanstoss. Zürich ist der Wirtschaftsmotor der Schweiz und die Finanzindustrie spielt dabei die zentrale Rolle: Mehr als ein Drittel aller Banken in der Schweiz haben hier ihren Sitz (120). Sie bieten rund 45000 Arbeitsplätze (das sind die Hälfte aller Bankangestellten in der Schweiz), liefern knapp einen Drittel der Wertschöpfung und fast die Hälfte der Steuereinnahmen. Damit haben Finanzdienstleister wertschöpfungs- und beschäftigungsmässig hier bedeutend mehr Gewicht als in New York, London oder Frankfurt. «Finance» gehört denn auch zu den Kernkompetenzen der Stadt. Dies manifestiert sich nicht nur in der Unmenge Banken im Ort, sondern auch in einem sophistizierten Aus- und Weiterbildungsangebot. An der Uni Zürich gehört «Finance» zu den Königsdisziplinen. Das Swiss Banking Institute bietet ein international konkurrenzfähiges Curriculum in Finance und Banking. Auch Forschung wird gross geschrieben, Initiativen wie das Center of Competence Finance Zürich oder das National Center of Competence in Research mit einem Themenbereich zu Financial Valuatione and Risk Management (FINRISK) zeugen davon. Vor zwei Jahren ist das Swiss Finance Institute (SFI) dazu gekommen, eine private Stiftung, initiiert von der Schweizerischen Bankiervereinigung. Ein erstklassiger Finanzplatz braucht erstklassige Infrastruktur, insbesondere für den Handel: Die Schweizer Börse, mit Sitz in Zürich – die SWX -,ist die wichtigste Effektenbörse in der Schweiz und in Europa führend für die Life-Science-Industrie. Die entsprechenden Börsenindikatoren haben 2006 alle vergleichbaren Indikatoren der Welt um Längen geschlagen. Wie die Banken ist auch der Börsenplatz international ständig unter Druck. Die Akteure sind gezwungen, ihre Kondition laufend zu verbessern. Zwecks Stärkung der Marktposition hat die SWX daher im Mai 2007 bekannt gemacht, sie beabsichtige, sich mit den beiden Finanzdienstleistern SIS und mit Telekurs zusammen zu schliessen und damit nicht nur sich, sondern auch den Finanzplatz Schweiz als Ganzes zu stärken. Dynamik herrscht auch bei den Anbietern von Finanzdienstleistungen. Neben dem herkömmlichen Banking boomt in Zürich und Region das Hedgefonds-Geschäft – eines der am stärksten wachsenden Anlagevehikel. Ende 2006 betrug das weltweite Volumen von Hedgefonds zwei Billionen US-Dollar. Rund 240 Milliarden Franken, oder zehn Prozent dieser Unsumme, fliessen durch die Hände von Schweizer Hedgefonds-Managern wie denen von Harcourt, Swiss Capital Group oder GAM in Zürich. Oder aber sie fliessen ans andere Zürichsee-Ufer: Im 7000-Seelen-Dorf Pfäffikon SZ, hat sich seit Anfang der Neunziger Jahre eines der global bedeutendsten Zentren für den Handel mit Fund of Funds, Hedgefonds und Private-Equity-Funds entwickelt, das in Konkurrenz steht zu Handelszentren New York, London und Singapur. Die dort ansässigen Firmen heissen RMF, Man Investment oder Horizon21. Der Zauber von Pfäffikon? Die einen schwärmen von Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, von schöner Natur und vom See, die andern von tiefen Steuern, kooperativen Behörden und von der Nähe zur Kundschaft aus Zürich. Nicht modernisiert, sondern modern Dynamisch geht es auch hinter der Kulisse der Zürcher Finanzbühne zu und her. Etwa in Sachen Software. Sie ist für Banken zu einem zentralen Produktivitätsfaktor geworden. Stichworte sind Kosteneffizienz, Online-Banking, Risikomanagement oder Automatisierung. In Zürich, nah der Banken, hat sich eine kleine feine IT-Industrie mit Schwerpunkt Bankensoftware etabliert: Die Firmen heissen Legando oder Avaloq und machen den Grossen der Branche ernsthafte Konkurrenz. Zentral ist auch das Thema Datensicherheit. Dank attraktiven steuerlichen und arbeitsmarktrechtlichen Bedingungen gelingt es Zürich auch in diesem Bereich die Klassenbesten anzulocken: Im Februar 2007 etwa hat Vasco, eine amerikanische Spezialistin für Datensicherheit, ihr europäisches Headquarter in Zürich aufgeschlagen. Iris Roth |