Zürich – wo Kunst zum Leben gehört


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In der internationalen Kunstszene spielt Zürich eine bedeutende Rolle und hat in den letzten zehn Jahren neben London und Berlin eine Spitzenposition erreicht. Eine reich gegliederte Landschaft aus Museen, Theatern, öffentlichen und privaten Sammlungen bildet den Nährboden für eine internationale und hochklassige Szene aus Galerien, Kunsthändlern und Auktionshäusern.


Grosse Namen sind in den letzten drei Jahren nach Zürich gezogen: Haunch of Venison (London), Haas, Arndt & Partner (Berlin), Häusler Contemporary (München). Und sie haben sich nicht irgendwo niedergelassen. Manche sind gleich mitten ins Bankenviertel gezogen. Die Berliner Traditions-Galerie Pels-Leusden bezog Quartier an der Bahnhofstrasse, im Dreieck zwischen Hotel Baur au Lac und See. Krystyna Gmurzynska, die weltberühmte Spezialistin für russische Avantgarde, findet man auf vier Etagen an einer der prominentesten Lagen der Stadt, am Paradeplatz, direkt neben der Confiserie Sprüngli. «In Zürich ist Aufbruchstimmung zu spüren», sagt Krystyna Gmurzynska. «Diese Mischung aus Begeisterungsfähigkeit und Pragmatismus ist genau der Nährboden, den ein moderner, anspruchsvoller und verantwortungsbewusster Kunsthandel zum Gedeihen braucht.»

Liberales Klima fördert die Kunst
Es gebe heute in Zürich dreimal mehr Kunstsammler als vor zehn Jahren, versichert der Kunsthändler Victor Gisler. «Sich Kunst zu leisten ist Teil eines gewissen Lebensstils und nicht mehr nur einer kleinen, abgeschlossenen Elite vorbehalten.» Kein Zweifel: Das viele Geld, das auf dem Wirtschaftsplatz verdient wird, sucht Anlage auch in ästhetischen Werten. Dass das Schweizer Steuersystem das Gedeihen des Kunstmarktes begünstigt, steht fest, freilich nicht wegen simpler Steuerflucht, wie immer wieder vermutet wird.

Der Zürcher Standortvorteil für die Kunst gründet tiefer. Mit 7,6 Prozent ist die Mehrwertsteuer niedrig. Es gibt weder eine Zwangsabgabe an Künstler noch ein Folgerecht wie in der EU. Dazu kommt, dass sich die grossen internationalen Galerien zunehmend vernetzen, um ihre Künstler möglichst exklusiv überall dort vertreten zu können, wo potente Sammler sitzen. «Es sind die Künstler, die darauf drängen, in Zürich auszustellen», erklärt Jürg Judin von Haunch of Venison. «Das Problem der Galeristen ist es nicht, Sammler zu finden, sondern von erfolgreichen Künstlern genügend Werke zu bekommen, um die Nachfrage zu decken. Dazu muss man ihnen Ausstellungen an Orten bieten, die für sie interessant sind. Und das sind in Europa zurzeit ganz klar London, Berlin und Zürich.»

Der Lebensstil der urbanen Leistungsträger
Die Zürcher Kunstszene ist vital und vielseitig. Eine solide Basis bildet seit Jahrzehnten das Auktionswesen, das traditionell von den kunsthandelsfreundlichen Standortvorteilen profitiert: Sicherheit, hervorragende Transportverbindungen, liberale Ein- und Ausfuhrbestimmungen, Zollfreilager und die Leistungsfähigkeit des Finanzplatzes. Neben den grossen internationalen Auktionshäusern sind in Zürich auch bedeutende selbständige und international gut vernetzte Unternehmen wie Koller oder Germann aktiv, ausserdem eine grosse Zahl von Spezialisten wie Ineichen (Uhren), Corinphilia (Briefmarken), Stuker (Münzen) und andere.

Ihren kulturellen Mehrwert schöpft Zürich freilich auch aus dem überaus lebhaften Kulturleben, dessen Bogen sich vom Opernhaus mit seinem Weltklasse-Programm bis zu den Off-Theatern im trendigen Westen der Stadt und den Galerien in den umgenutzten alten Fabriken spannt. Getragen von einem allgemein hohen Qualitätsniveau und einer lebendigen Szene mit Boutiquen, Bars, Lounges und Restaurants für jede Stimmung und (fast) jedes Budget hat sich Zürich innert weniger Jahre von der eher spröden Arbeitsstadt zu einem europaweit geschätzten Treffpunkt entwickelt, an dem sich der Lebensstil der urbanen Leistungsträger frei entfalten kann.

Diskrete Qualität als Kulturmerkmal
18. Februar 2007: Nach dreijähriger Bauzeit öffnete das neue Museum Rietberg (in einem Park zwischen Finanzdistrikt und See) seine Tore wieder. Hier, in der Villa Wesendonck, hatte Richard Wagner als Hausgast die Oper «Tristan und Isolde» komponiert. Dieser Neubau verkörpert die besonderen Wesenszüge der Zürcher Kunstszene in typischer Weise. Mit Rücksicht auf den Park und das alte Haus wurden die kostbar ausgestatteten Ausstellungssäle unauffällig in den Untergrund versenkt. Einziges nach aussen sichtbares Zeichen ist ein grüner Glas-Pavillon, durch den die Besucher zu den Schätzen gelangen – und diese haben Weltruf. Das Museum Rietberg Zürich ist das einzige Kunstmuseum für aussereuropäische Kulturen in der Schweiz und besitzt eine international hoch geschätzte Sammlung mit Werken aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien.

Traditionsbewusstsein, Klasse und mit Diskretion dargebotene Qualität – ähnliche Eigenschaften sind auch in den rund hundertfünfzig Museen, Archiven und Bibliotheken der Stadt zu finden, die zusammen eine lebendige und überraschende Szene bilden. In Zürich gibt es nicht nur das Schweizerische Landesmuseum und das international renommierte Kunsthaus, sondern mit dem Haus Konstruktiv auch eine Kultstätte der für Zürich typischen konstruktiven und konkreten Kunst (Max Bill, Richard Paul Lohse, Fritz Glarner usw.). Wer auf Entdeckungen aus ist, findet unter Zürichs Museen auch kulturhistorisch spannende Themenhäuser: Uhrenmuseum, Tram-Museum, Kaffee-Museum oder das Mühlerama in der zum Kultur- und Business-Treffpunkt umgenutzten Mühle Tiefenbrunnen, wo der Weg des Korns zum Brot nicht nur mit Schautafeln erklärt wird, sondern mit einer aus dem 19. Jahrhundert stammenden, noch immer funktionierenden Mühlen-Anlage. Zürichs Kunst- und Museumswelt hält in der Tat viel Wissenswertes und Überraschendes bereit!

Weitere Informationen: www.museen-zuerich.ch/





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